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Edelmetall-Bericht 1.Quartal 2019

Edelmetall-Bericht 1/2019 XI von Mag. Gerhard Massenbauer zum download

Rohstoffpreise werden 2019 stark steigen

2018 begann mit stark steigenden Rohstoffpreisen. Ab Mitte 2018 ging es aber steil abwärts. Am besten konnte man das beim Ölpreis verfolgen, der am Jahresbeginn noch bei 64 US-Dollar je Fass / Brent lag, bis Anfang Oktober auf 80 US-Dollar je Fass / Brent anstieg und aktuell nur noch bei 60 US-Dollar steht. War es im Jahresverlauf so erschienen, dass die Sanktionen gegen den Iran das Angebot verknappen würde, überraschte die USA damit, dass dem Iran Ölexporte erlaubt wurden. Damit bestand eine Angebotsschwemme, die die Marktteilnehmer überstürzt zu Verkäufen von Ölfutures bewogen. Dies wiederum motivierte die Opec eilig und mit Unterstützung durch Russland, das Angebot der Opec und Russlands zu begrenzen, um den Preis für Öl zu stabilisieren.

Wir dürfen von einem glimpflichen Verlauf des Streits USA vs. China ausgehen

Aktuell scheint Vielen das Risiko einer deutlichen Verlangsamung der Weltwirtschaft vor dem Hintergrund des Handelskonfliktes sehr hoch. Daher üben sich alle in Zurückhaltung. Unternehmen bei den Investitionen, Spekulanten am Rohstoffmarkt und Aktienmarktteilnehmer haben sich saisonal untypisch zum Jahresende vielfach zurückgezogen. Und wenn alle auf einmal daran gehen, sich in Vorsicht zu üben, fallen alle Preise.

Die Weltwirtschaft wächst und es kann ein Kursfeuerwerk bevorstehen

Man ist optimistisch was den kurzfristigen Verlauf der Beziehungen zwischen den USA und China betrifft. Dass es hier langfristig zu ernsten Spannungen kommen wird, ist unvermeidbar, wird uns aber erst nach 2020 beschäftigen. In beiden Ländern kommt es aktuell zu einer spürbaren Belastung der wirtschaftlichen Entwicklung durch den Handelsstreit. Zudem bekommt die amerikanische Regierung seitens der Wirtschaft großen Druck – es wird an die Ankündigung von General Motors erinnert, Fabriken in den USA schließen zu wollen, weil es „muss“. Die Preise für Stahl sind gestiegen und GM verkauft halt auch schon mehr Autos in China, als in den USA.

Weder kann es sich Donald Trump leisten unmittelbar und nachhaltig auf Konfrontation zu gehen, noch will es China, weil es – zu Recht – auch selbst einige Aufgaben zu lösen hat, die im aktuellen Zustand noch ungelöst sind und erhebliche innere Spannungen und Belastungen auslösen könnten. Vor allem die hohe Verschuldung von Unternehmen und die Überhitzung des chinesischen Immobilienmarktes seien hier genannt. China arbeitet durchaus erfolgreich daran, die Übertreibungen abzubauen, aktuell wäre ein heißer Konflikt mit den USA aber von sehr hohen Belastungen gekennzeichnet, die Mittel aus der Sanierung dieser Problemzonen abziehen würden, was sich China aktuell nicht leisten kann. Chinesen denken nicht in Quartalen oder Wahlzyklen, wie dies Donald Trump aktuell wohl bereits tut (seine Wiederwahl steht in zwei Jahren an). Trump will bis dahin eine funktionierende amerikanische Wirtschaft darstellen und wohl alles andere diesem Ziel unterordnen.

Für die kommenden zwei Jahre wird daher geopolitischer Realismus erwartet und ein gutes Weltwirtschaftswachstum sowie intakte Börsenentwicklungen.

Die Geschehnisse in diesem Jahr haben viele Börsenmarktteilnehmer sehr lange unberührt gelassen, was sehr wundert. Im Herbst haben sie nach meiner Einschätzung deutlich übertrieben. Die Einschätzungen für die Entwicklung der Weltwirtschaft scheinen heute zu skeptisch, die Angst der Börsenteilnehmer mittlerweile übertrieben.

Warum die Rohstoffpreise steigen werden und warum das für die Börsen gut ist

Sinkende Rohstoffpreise sind ein Signal für Kaufzurückhaltung zum einen und ein Überangebot zum anderen. Es wird davon ausgegangen, dass es im Industriemetallsektor eher an der aufkommenden Skepsis gegenüber dem nun schon sehr lang andauernden konjunkturellen Aufschwung lag, dass die Preise für Industriemetalle in diesem Jahr zu sinken begannen.

In den aktuellen Preisen liegt ein gerütteltes Maß an konjunktureller Skepsis. Wenn die Einschätzung einer Einigung zwischen den USA und China korrekt ist, wird sich diese Skepsis auflösen und Unternehmen werden wieder beginnen zu investieren. Dabei werden sie Rohstoffkäufe nachholen müssen. Dies wird die Preise, die aktuell stabilisiert sind, wieder nach oben bringen.

Wie stark das Aufholpotential dabei ist, zeigt sich in der nachfolgenden Graphik. Rohstoffpreisentwicklungen verlaufen zyklisch. Phasen des Unterangebots entstehen nach Preiskrisen. Wenn die Nachfrage wieder anspringt, kommt es dann für einige Zeit zu eklatanten Preissprüngen. Wenn man heute die Rohstoffpreisentwicklung im Gesamtindex für Rohstoffe von Goldman Sachs betrachtet, kommt man zur Erkenntnis, dass es nun eine sehr lange Zeit einen sehr schwachen Preistrend für alle Rohstoffe gibt. Dabei darf man nie vergessen: Die Anzahl von Menschen, die im Wohlstand leben wächst ebenso, wie die Anzahl der Menschen wächst. Die Beschaffung von Rohstoffen ist aufwändig, teuer und die Verfügbarkeit alles andere als selbstverständlich.

Was bedeuten steigende Rohstoffpreise für unser Edelmetallanlagen

Rohstoffpreise und der US-Dollar weisen eine sogenannte negative Korrelation auf. Fallen Rohstoffpreise, steigt der US-Dollar, steigen Rohstoffpreise fällt der US-Dollar. Dasselbe gilt für das Verhältnis des US-Dollars zu Edelmetallpreisen.

Wer in Edelmetallen anlegt hat deshalb gute Karten für die vor uns liegende Zeit. Zugegeben, 2018 brachte noch einen Rückschlag, wenn Sie die oberen Grafiken betrachten wissen aber auch Sie, dass es kein Unsinn war Edelmetalle zu kaufen, sondern Sie billig gekauft haben.

Es wird heute davon ausgegangen, dass die Entwicklung für Gold schon in den kommenden Wochen günstig sein wird. Darüber hinaus wird es bis zum Ende der Verhandlungen USA vs. China zum Ende Februar dauern, um den weiteren Trend einschätzen zu können.

Die Lösung für eine unsichere Zukunft

Die Welt wird unsicherer. Dies ist uns spätestens seit der Finanzkrise klar geworden. Nun beginnen auch die Börsen diese Unsicherheit auszuleben, nachdem sie in den letzten Jahren stark nach oben gegangen waren.

Der DAX hat schon mehr als 20% gemessen an seinem Jahreshoch verloren und liegt nun auf dem Niveau von 2016. Zwei verlorene Jahre also für Aktionäre.

Die Frage ist – kommt nun der große Crash?

Ich denke nicht, dass wir uns darum heute schon sorgen müssen. Die Börsen haben sehr viel Luft hineingepumpt bekommen. Diese entweicht nun. Und das ist gar nicht so schlecht. Spannend wird es erst nach dem 1. März – ob eine Entspannung zwischen China und den USA gelingt wird man erst dann wissen. Die aktuelle Situation halte ich für eine normale Korrektur, die von extremen Kurshöhen zurück in die Niederungen der Normalität führt.

Die Börsen werden sich in den kommenden Wochen wohl wieder erholen, vor allem wenn die Briten mit einem weichen Brexit überraschen. Heute kann man nicht sagen, wie das britische Parlament morgen entscheiden wird.

Sollten die Briten einen harten Brexit „wählen“, ist davon auszugehen, dass die Börsen nochmals um gut 5 % absacken, ich denke das wäre gut, für jene, die in Aktien investieren wollen.

Längerfristig sind Aktien in einem Portfolio unverzichtbar. Aber nur in einem Umfang, der auch andere Anlagen gleichberechtigt umfasst. Somit haben Aktien eine Bedeutung, bis 25% – 30% vom Gesamtvermögen zu haben, ebenso wie Edelmetalle und Immobilien. Vor allem bei Immobilien, sind bittere Enttäuschungen vorprogrammiert – da ist in den letzten 20 Jahren viel zu viel Geld hineingeflossen und niemand kann sich mehr vorstellen, dass es hier Verluste geben kann.

Die Lösung für eine unsichere Zukunft – Beweglich sein und breit aufgestellt sein

Panik bietet kein Lösungspotential. Wer sich mit der Realität auseinandersetzt, findet immer auch Grund zu Optimismus. Die Welt dreht sich nicht nur weiter, sie entwickelt sich. Entwicklungen bieten immer auch Rückschläge. Daher sollte man im Zeitpunkt eines Rückschlages eher vorwärts denken, als den Rückschlag zu bejammern.

Gold hatte im August ein deutliches Minus aufgebaut. Dieses ist mittlerweile gegen Euro wieder ausgeglichen worden, liegt sogar leicht im Plus. Meine Erwartung für eine günstige Entwicklung zum Jahresende scheint aufzugehen. Je unsicherer die Welt wird, desto besser werden sich Edelmetalle entwickeln.

Aber auch Aktien haben in den kommenden Wochen Potential zur Erholung. Wenn auch vielleicht nur für kurze Zeit. Der Streit zwischen China und den USA im kommenden Jahr wird darüber entscheiden, ob es doch noch einen Crash geben kann.